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ADVENT - ERZÄHLT/004: Der Friedensbaum - Überraschung ... Teil 3 (SB)




Der Friedensbaum - Überraschung

Buntstiftzeichnung: © 2014 by Schattenblick


Vor dem Haus von Bruno angekommen, kletterte der Hund durchs Kellerfenster und es gelang ihm schließlich die Terassentür zu öffnen, damit Herr Tiger ins Haus gehen konnte. Sie hatten Hunger und wollten Kekse backen. Da nur Susi, das Kaninchen, lesen konnte, bat Bruno sie um Hilfe.

"Oh, ja, Entschuldigung. Also: Würdest du mir und Herrn Tiger beim Kuchenbacken helfen? Wir sind hungrig und würden gerne Kekse essen."

"Wer ist denn Herr Tiger und wo ist Willi Müller? Er war lange nicht bei mir und ich habe auch Hunger", sagte Susi leise.

Bruno erzählte ihr in kurzen Worten die Geschichte von der Flucht aus dem Zoo und auch davon, dass Willi Müller ihn wohl dort vergessen hatte.

"Inzwischen mache ich mir auch Sorgen um Willi, denn zuerst hatte ich gehofft, ihn hier im Haus anzutreffen, aber nun ist er auch hier nicht. Hoffentlich ist ihm nichts passiert!", beschloss Bruno seinen Bericht.

"Oh je, nur das nicht", rief Susi erschrocken aus. "Ich weiß nicht, ob ich euch helfen will. Du sagst, Herr Tiger ist hungrig und da fürchte ich doch ein wenig, dass er mich vielleicht fressen möchte, so als Vorspeise zu den Keksen."

"Nein, du brauchst wirklich keine Angst zu haben, Susi. Er ist ganz freundlich und eigentlich mag er Kuchen, Brote und Kekse lieber als Fleisch. Außerdem will er keinen Ärger machen. Er will einfach nur wieder nach Hause nach Indien", versuchte Bruno das Kaninchen zu überzeugen.

"Ist gut, Bruno. Ich bin dabei. Ich helfe euch", willigte Susi schließlich ein.

Willi Müller sperrte den Stall von Susi nie ab und so konnten sie sich einfach auf den Weg in die Küche machen. Herr Tiger bemühte sich, möglichst ungefährlich auszusehen und begrüßte Susi freundlich: "Hallo Susi, ich bin Herr Tiger und habe Hunger."

Herr Tiger geht freundlich auf das Kaninchen zu, dass sich hinter Bruno gesetzt hat - Buntstiftzeichnung: © 2014 by Schattenblick

Buntstiftzeichnung: © 2014 by Schattenblick

Susi machte einen Satz hinter Bruno, um sich zu verstecken. "Ach je, ich habe wohl etwas Ungeschicktes gesagt. Keine Sorge Susi, du brauchst ganz bestimmt keine Angst vor mir zu haben. Entschuldige bitte meine dumme Bemerkung."

Susi kam hervor und nahm Herrn Tigers Entschuldigung an. Dann hoppelte sie los und eins, zwei, drei war sie oben auf dem Tisch gelandet. Herr Tiger hatte das Backbuch dort abgelegt und Susi blätterte darin.

"Wie wäre es mit Erdnuss-Keksen?"

"Prima, tolle Idee", bellte Bruno.

"Ja, das hört sich sehr lecker an", stimmte Herr Tiger zu.

Susi las nun vor, welche Zutaten sie benötigten. Bruno, der sich am besten in der Küche auskannte, suchte alles zusammen. Zucker, Mehl, Eier, Butter, Erdnüsse, Salz und die Rührschüssel. Herr Tiger übernahm das Rühren und Bruno rollte den Teig aus. Sie erhielten auch noch Hilfe von Pfeffer und Minze, den beiden Hausmäusen. Sie wollten gerne die Kekse ausstechen. Niemand hatte etwas dagegen und so waren alle ganz eifrig dabei, Kekse zu backen. Zwar rollte schon mal ein Ei auf den Fußboden, und Minze hatte über das Naschen von der Schokolade ganz vergessen, dass sie ja die Plätzchen ausstechen wollte. Pfeffer zeigte derweil großes Interesse an den Erdnüssen, aber ein mahnender Blick von Bruno reichte, um Pfeffer wieder an seine Aufgabe zu erinnern. Alle waren guter Dinge und schließlich landete das erste Blech mit Plätzchen im Ofen.

"Bei 200° Grad backen, 15 Minuten lang", las Susi zum Schluss. Etwas wüst sah es schon aus, aber es war trotzdem sehr gemütlich. Herr Tiger wollte langsam anfangen, die Sachen wieder an ihren Platz zu räumen. Bruno half ihm dabei. Pfeffer und Minze hingegen waren voll und ganz damit beschäftigt, die Krümel zu verspeisen. Sie behaupteten, das gehöre zum Aufräumen dazu.

Der Tiger schleckt Kuchenteig aus einer großen Schüssel, Bruno rollt den Kuchenteig aus - Buntstiftzeichnung: © 2014 by Schattenblick

Buntstiftzeichnung: © 2014 by Schattenblick

Mitten in diesem Durcheinander fiel die Haustür mit einem lauten Rumms zu. Bruno hatte gar nicht mitbekommen, dass sie geöffnet worden war. Alle waren schlagartig still und lauschten. Wer mochte das sein? Bruno schlich bis zur Küchentür, die einen Spalt offen stand und ins Wohnzimmer führte. Von dort aus konnte er in den Flur gelangen und nachsehen, wer der Eindringling war.

Es roch nach Willi Müller. Bruno rannte nun auf den Flur und - tatsächlich es war Willi Müller. Bruno freute sich und sprang an seinem Herrchen hoch, blieb mit einer Pfote in der Manteltasche hängen und wäre beinahe gefallen. Willi Müller packte Bruno im Fell und drückte ihn an sich.

"Oh Bruno, ich habe dich überall gesucht. Als ich zurück zu dem Laternenpfahl kam, warst du fort. Bin ich froh, dass dir nichts passiert ist."

Bruno wedelte mit dem Schwanz. Er war so aufgeregt und freute sich. "Weißt du Bruno, ich befürchtete schon, dass du von dem Tiger gefressen worden wärst. Im Zoo ist nämlich ein Tiger aus dem Käfig ausgebrochen und der Tierpfleger behauptete, dass er einen kleinen braunen Hund gejagt hätte. Ich habe mir solche Sorgen gemacht", endete Willi Müller seine Rede. Willi wunderte sich zwar, wie sein Hund ins Haus gekommen war, aber er freute sich so sehr, dass er nicht weiter darüber nachdachte.

"Komm, lass uns in die Küche gehen." Als er das sagte, fiel ihm plötzlich der köstliche Duft auf, der eindeutig von dort kam. Es roch lecker nach Keksen. Doch wie konnte das sein, er hatte bestimmt keine Plätzchen in den Ofen geschoben. Wie hätte er das tun können, er war ja die ganze Zeit auf der Suche nach Bruno gewesen. Was war hier los? Etwas stimmte hier ganz und gar nicht.

Bruno wusste nun nicht so recht, was er tun sollte. Er stellte sich vor die Küchentür, als könnte er damit verhindern, dass Willi dort hinein ginge. "Bruno, lass mich bitte durch, mach nicht so ein Theater. Ich muss da rein, um zu sehen, was dort vor sich geht!"

"Darf ich vorstellen, das ist mein Freund, Herr Tiger", bellte Bruno in der Hoffnung, Willi Müller würde ihn verstehen. Doch der hörte nur das Bellen, öffnete die Tür und erschrak ganz fürchterlich. Willi Müller konnte sich nicht mehr bewegen, blieb einfach stehen und sah sich in der Küche um. Und was er dort zu sehen bekam, konnte er einfach nicht glauben. Ein Tiger, der eine Rührschüssel mit seiner Pfote auswischte, zwei Mäuse, die auf dem Tisch mit Naschen beschäftigt waren und sein Kaninchen Susi, das einen Kochlöffel in den Pfoten hielt. Als die Tiere Willi erblickten, verharrten ebenfalls alle reglos in ihrer Bewegung. Als hätte jemand die Zeit angehalten. Niemand rührte sich.

Bis Herr Tiger ganz verlegen seine Pfote aus der Schüssel nahm, sie langsam abschleckte und dann an dem Tischtuch säuberte. Nun hielt er die Pfote so, wie er es bei Hunden oft gesehen hatte, wenn sie von den Menschen etwas haben wollten. Herr Tiger wollte auf jeden Fall so freundlich und ungefährlich aussehen wie nur möglich. Die Spannung war unerträglich. Niemand schien zu wissen, wie es weitergehen sollte.

Dann plötzlich fing Willi Müller an zu lachen. "Ihr seid mir ja so ein paar Bäckergesellen. Na, dann zeigt mal her, was ihr gebacken habt!"

Herrn Tiger fiel ein Stein vom Herzen. Eilig ging er zum Ofen, nahm einen großen Topflappen und zog das Blech heraus. Willi zeigte ihm, wo er es abstellen konnte und meinte:

"Wisst ihr, was heute für ein Tag ist? Nein, wahrscheinlich wisst ihr es nicht, aber ich. Heute ist Weihnachten und am Weihnachtsabend kommen die Menschen gerne mit ihren Familien zusammen oder mit Menschen, die sie sehr gern haben. Sie essen zusammen und beschenken sich. Nun, Geschenke habe ich keine für euch. Aber wir können zusammen essen und uns die frisch gebackenen Kekse schmecken lassen. Einen Tannenbaum haben wir auch und den werden wir vorher noch schmücken."

War das eine Aufregung. Keiner der Tiere hatte je einen Tannenbaum behängt, aber ihrer wurde trotzdem ein ganz besonderer und ungewöhnlicher Weihnachtsbaum. Sie bestaunten ihr Werk und Willi Müller begann mit dem Aufräumen. Als er die zerbrochene Vase entdeckte, begann er sich auszumalen, was alles geschehen sein mochte, während er auf der Suche nach seinem Hund gewesen war. Er fegte die Scherben zusammen.

Nicht viel später saßen alle in der Stube um den Weihnachtsbaum. Dann machte sich die ungewöhnliche Weihnachtsgesellschaft über die Kekse her und hatte es total gemütlich.

Ende

Der Tiger liegt auf dem Sofa, Herr Müller sitzt im Sessel, Susi knabbert an den Möhren am Tannenbaum, Bruno kaut einen Knochen und die Mäuse naschen - Buntstiftzeichnung: © 2014 by Schattenblick

Buntstiftzeichnung: © 2014 by Schattenblick

21. Dezember 2014


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