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IZ3W/201: Im Netz von Clans - Global verteilte Gemeinschaften statt globaler Gesellschaft


iz3w - informationszentrum 3. Welt - Ausgabe Nr. 315 - November/Dezember 2009

Schwerpunkt: Digitale Welten

Im Netz von Clans
Global verteilte Gemeinschaften statt globaler Gesellschaft

Von Karsten Weber


Das Internet ist ein globales Netzwerk, aber der Zugang zur digitalen Technik ist gerade in der südlichen Hemisphäre beschränkt. Dieser Digital Divide ist nur eine der Spaltungen, die das Netz durchziehen. Die euphemistische Rede von einer digitalen Vergesellschaftung verkennt die Dominanz individueller Interessen und überschätzt die sozialen Austauschprozesse unter den NutzerInnen.


Zunächst scheint es seltsam zu sein, nach der Globalität des Internet zu fragen - schließlich ist dieses Kommunikationsnetzwerk geradezu ein Inbegriff der Globalität. Doch schon ein kurzer Blick auf die aktuellen NutzerInnenzahlen und vor allem auf deren regionale Verteilung zeigt, dass die Bevölkerung des Globus in so genannte information rich und information poor zerfällt. Dabei geht die Kluft zwischen Arm und Reich in der virtuellen Welt oft mit ökonomischen und auch politischen Grenzlinien der realen Welt einher. Die digitale Spaltung ist nach wie vor eine für viele Menschen bedrückende Realität und daher ein Thema, das eigentlich auf die öffentliche und politische Agenda gehört.

Dass es dort zur Zeit nicht zu finden ist, mag an der aktuellen Wirtschaftskrise liegen. Aber es spielen auch andere Faktoren eine Rolle, denn bereits kurz nach dem viel beachteten, UN-geförderten Weltgipfel zur Informationsgesellschaft (WSIS) 2005 verschwand das Thema digitale Spaltung wieder aus den Debatten. Die Ursachen sind unter anderem in den Nutzungsweisen des Internet der information rich, sowie in deren Einstellungen und Haltungen bezüglich der (Nicht-)Globalität des Internet zu sehen. Die oft geäußerte Hoffnung, dass das Internet eine weltweite Gesellschaft entstehen lassen könnte, scheint jedenfalls weit gefehlt: Es entstehen vielleicht Gruppen und Gemeinschaften, deren Mitglieder weltweit verstreut sind, aber keine globale Gesellschaft. Das ist nicht nur theoretisch ein großer Unterschied, sondern hat handfeste Auswirkungen auf die Chance, die digitale Spaltung in Zukunft schließen oder doch zumindest minimieren zu können.


Wunsch und Wirklichkeit

Wenn vom globalen Internet gesprochen wird, so ist dies insoweit richtig, als dass es theoretisch an jedem Ort der Welt genutzt werden könnte. Diese prinzipielle globale Verfügbarkeit setzt jedoch in vielen Fällen voraus, dass ein erheblicher Aufwand zu betreiben wäre, da in vielen Regionen der Welt das Internet nicht aus der Steckdose kommt (nicht einmal der notwendige Strom), sondern beispielsweise nur über Satellitenverbindungen zugänglich ist.

Ein Blick auf die statistischen Zahlen zur Internetnutzung verdeutlicht, warum die digitale Kluft nach wie vor ein Thema der internationalen Zusammenarbeit sein sollte: In Nordamerika, Ozeanien und Australien sowie in Europa nutzen in dieser Reihenfolge 74, 60 und 50 Prozent der jeweiligen Bevölkerung das Internet, Südamerika und die Karibik folgen bereits deutlich abgeschlagen mit 30 Prozent, es folgt der Mittlere Osten mit 24 und Asien mit 18 Prozent. Das Schlusslicht markiert - wie in so vielen anderen Statistiken auch - Afrika mit gut sechs Prozent. (1) Allerdings ist die regionale Aufteilung sehr grob und innerhalb dieser Regionen sind wiederum erhebliche Unterschiede anzutreffen. In Europa kann von einer digitalen Spaltung sowohl zwischen Nord und Süd als auch zwischen West und Ost gesprochen werden, verursacht durch ökonomische wie politische Faktoren: Zu nennen ist zum Beispiel, dass Griechenland, Spanien und Portugal vor noch gar nicht so langer Zeit Diktaturen waren, oder dass die Länder Osteuropas technologisch erst seit 1989 entscheidend aufholen können; außerdem sind topographische oder kulturelle Unterschiede etwa in Hinblick auf Kommunikationsgewohnheiten nicht zu vernachlässigen. Letztlich aber kann man entsprechende Statistiken auf einen einfachen Nenner bringen: Jene Gegenden, die durch massive ökonomische und politische Probleme gekennzeichnet sind und daher in aller Regel nicht über eine entwickelte Energieversorgungs- und Telekommunikationsinfrastruktur verfügen, zeichnen sich durch geringe Internetnutzung aus.

Erschreckend dabei ist, dass sich die absoluten Zahlen im Laufe der Zeit ändern, nicht aber die Relationen. So sind weltweit sowohl die absoluten Nutzerzahlen als auch die Durchdringung der Bevölkerung erheblich gewachsen, (2) doch nach wie vor reflektieren die Daten die ökonomische Situation in den jeweiligen Regionen. Nach wie vor existiert eine digitale Nord-Süd-Spaltung, zum Teil auch eine West-Ost-Spaltung. Das gilt sogar für das reiche Deutschland: Die jährlich von TNS EMNID veröffentlichten (N)Onliner-Studien dokumentieren stets eine Spaltung zwischen West und Ost. (3) Andere Spaltungen, so in Bezug auf Nutzungskompetenzen und den Gewinn, der aus dem Internetzugang gezogen wird, hat beispielsweise Nicole Zillien als »alte Ungleichheiten« beschrieben. (4)

Angesichts der Millenniumsziele der UNO sind die Zahlen eher enttäuschend: Dort steht als Unterpunkt zum 20. Ziel, es solle sichergestellt werden »[...], dass die Vorteile der neuen Technologien, insbesondere der Informations- und Kommunikationstechnologie, im Einklang mit den Empfehlungen in der ECOSOC 2000 Ministerial Declaration, für alle [Menschen] verfügbar sind.« Als Jahr der Zielerreichung wurde 2015 angepeilt, von heute aus also gut fünf Jahre. Die derzeitige geschätzte Internetdurchdringung von 24-25 Prozent der Weltbevölkerung ist weit von diesem Ziel entfernt, selbst wenn man davon ausginge, dass nicht jeder Mensch einen eigenen Internetanschluss benötigt, um vom Netz zu profitieren. Doch trotz der Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit ist es um die digitale Spaltung still geworden.


Aufmerksamkeitsverschiebung

Nun mag die digitale Spaltung für öffentliche Debatten - wie entwicklungspolitische Themen allgemein - wenig geeignet erscheinen. Doch auch in dem medialen Interesse für die Frage, wie wir unsere Wirtschaft wieder fit machen können, finden Internet-relevante Themen wie etwa die Breitbandinitiative zur besseren Anbindung ländlicher Regionen an das Internet kaum öffentliche Resonanz. Sicher sind solche Themen massenmedial schlecht vermittelbar. Doch hier soll eine andere Argumentationslinie verfolgt werden: Das Internet ist nur indirekt eine gesellschaftliche Angelegenheit, zuallererst aber eine der individuellen Nutzung. Das mag zunächst verblüffen, doch sprechen für diese Hypothese durchaus gute Argumente. Im Vordergrund öffentlicher Debatten steht fast immer die Frage, welche Folgen das Internet für die nutzende Person hat, zum Beispiel für die Privatsphäre oder den Datenschutz (»Was passiert mit meinen Daten?«). Im Fokus der Aufmerksamkeit stehen des weiteren Folgen im Kontext von sozialen Netzwerken (»Was passiert, wenn ein potenzieller Arbeitgeber meine Partybilder findet?«), durch Online-Durchsuchungen (»Wer darf auf welche Daten meines Rechners zugreifen?«), in Bezug auf Internetsperren (»Wieso darf mein Internetzugang zensiert werden?«) oder Urheberrechtsverletzungen (»Wieso darf ich meine Musik nicht beliebig kopieren?«). Zwar versuchen die entsprechenden Interessengruppierungen und zuweilen auch PolitikerInnen auf Gemeinwohl- und gesellschaftliche Aspekte zu verweisen (»Urheberrechte zerstören die Kunst!«, »Eingriffe in Privatsphäre und Datenschutz erzeugen ein gesellschaftliches Klima des Misstrauens!«), doch jenseits der Digital Natives interessieren solche Parolen meist nur wenig.

Digital Natives, (5) früher einmal Netizens genannt, (6) sind jene Menschen, die mit dem Internet aufgewachsen und deshalb gleichsam Eingeborene des Netzes sind. Sie werden zuweilen als Internetliebhaber geschmäht, weil sie sich gegen staatliche Eingriffe in das Netz wehren, etwa im Zusammenhang mit Internetsperren gegen Kinderpornographie. Ihnen gegenüber stehen die Digital Immigrants, (7) die Einwanderer ins Netz, die es angeblich nicht verstünden; ihr Schmähname ist Internetausdrucker. Distanziert betrachtet manifestiert sich hier ein Generationenkonflikt, vor allem aber ein Kampf um die Definitions-, Gestaltungs- und Regulierungsmacht über das Internet.

Es steht nichts weniger zur Debatte als die Frage, worin die Regeln des Internet gründen sollen. Hier nun kommt der Untertitel dieses Textes ins Spiel: Aus soziologischer Sicht zeichnen sich Gemeinschaften grob gesprochen durch Homogenität ihrer Mitglieder beispielsweise in Bezug auf ethnische Herkunft, Sprache, Religion und Kultur, darauf aufbauendes Vertrauen und emotionale Verpflichtung aus. Beziehungen sind nicht rechtsförmig, sondern beruhen auf Traditionen und wechselseitigen Verpflichtungen, deren Einhaltung durch soziale Kontrolle erzwungen wird. Gesellschaften hingegen gestalten das Zusammenleben der Bürger rechtsförmig, auf Basis abstrakter Regeln zur Förderung des individuellen Nutzens. Wenn also angenommen wird, dass das Internet eine, womöglich globale, Form der Vergesellschaftung ermöglicht, (8) dann ist dies nicht nur eine theoretische Annahme, sondern kann empirisch untersucht werden. Folgt man der gerade genannten Definition von Gemeinschaft und Gesellschaft, können soziale Prozesse im und um das Internet herum auf ihr Potenzial zur Förderung der Gemeinschaftsbildung und/oder Vergesellschaftung betrachtet werden.

Dabei gilt zu bedenken, dass sich nicht jede Gruppenbildung, deren Mitglieder sich verbindliche Regeln des Miteinanders geben, automatisch auf dem Wege der Vergesellschaftung befindet. Wie schon bemerkt: Gesellschaftliche Regeln und vor allem ihre Einhaltung beruhen nicht auf Affekten und Traditionen, sondern auf einem rational motivierten Interessenausgleich. Schaut man sich nun die üblichen Verdächtigen für eine Online-Vergesellschaftung genauer an, wird man in aller Regel finden, dass allenfalls Gemeinschaften entstanden sind. Ihre Mitglieder sind homogen bezüglich einer individuellen Charakteristik wie ein gemeinsames Hobby oder andere geteilte Interessen; die Zusammengehörigkeit reduziert sich meist auf diesen Aspekt. Das gilt für die so genannten Freundschaften in Facebook, StudiVZ und andere soziale Netzwerke, ebenso wie für die Clans und Spielgemeinschaften in Onlinespielen wie World of Warcraft. Selbst wenn Xiaobing aus Shanghai, Richard aus Phoenix, Svetlana aus Moskau und all die anderen mit- und gegeneinander spielen und somit eine Form der Kooperation zeigen, kann von solchen Gruppen oder Gemeinschaften in aller Regel nicht erwartet werden, dass sie sich als internetbasierte Gruppe für gesellschaftliche Probleme interessieren. Die Bezeichnung Clan trifft es ungewollt: Tatsächlich fördert das Internet eher einen globalisierten Tribalismus denn die globale Vergesellschaftung. Anders liegt der Fall einer Gemeinschaft, die oft als Prototyp einer virtuellen und globalen Vergesellschaftung genannt wird. Die Open Source-Bewegung wird insbesondere von ihren Mitgliedern als Verbund von Menschen gesehen, die sich das Ziel gegeben haben, Software als frei zugängliches Gut zu produzieren und damit langfristig eine weitreichende gesellschaftliche Veränderung zu bewirken. Tatsächlich zeigen jedoch neuere Analysen, (9) dass sich dieses romantisierende Bild der Hacker-Community schlicht nicht halten lässt: Open Source als Produktionsort und -weise qualitativ hochwertiger Software ist Teil der allgemeinen gesellschaftlichen und ökonomischen Prozesse, aber keine Parallel- oder Online-Gesellschaft.

Dies wird allein schon daraus ersichtlich, dass sich große IT-Unternehmen wie IBM, SUN oder Novell im Open Source-Bereich finanziell sehr engagieren oder auch daran, dass große Städte wie Wien oder München versuchen, ihre IT auf Open Source-Software umzustellen.


... und was folgt daraus?

Eine mögliche Schlussfolgerung aus dem Gesagten über die Globalität des Internet und über Online-Vergesellschaftung ist, dass hier eine unbewusste, aber durchaus wirksame Übertreibung vorliegt. Sie ist Folge all der Hoffnungen, die in den Frühzeiten des Internet gehegt wurden: Empowerment aller Unterdrückten dieser Welt, globale Demokratisierung nicht nur der Politik, sondern auch der Wirtschaft, Frieden durch weltweite Kommunikation, Entstehung einer globalen Gesellschaft bei gleichzeitiger Stärkung von lokalen Kulturen und so weiter und so fort. Die Realität, oben wurde es angedeutet, gibt wenig Anlass zur Annahme, dass wir der Erfüllung dieser Hoffnungen in relevanter Weise näher gekommen wären. Dies zuzugeben bedeutete aber, ein wissenschaftliches Genre zu Grabe zu tragen, womöglich inklusive der daran geknüpften Hoffnungen an die je eigene Karriere.

Weiter folgt, dass Manifesten, (10) politischen Programmen, aber auch manchen wissenschaftlichen Prognosen in Bezug auf die gesellschaftliche Bedeutung moderner Informations- und Kommunikationstechnologie ein gehöriges Maß an Skepsis entgegengebracht werden sollte. Das gilt für die behauptete Wirksamkeit von Internetsperren im Kampf gegen Kinderpornographie, den 100-Dollar-Laptop als Maßnahme zur Schließung der digitalen Spaltung (11) oder eben für Thesen über das gesellschaftliche Potenzial des Internet ... und vieles mehr. Thesen wie »Das Internet ist die Gesellschaft ist das Internet« sind Ausfluss von Technikgläubigkeit. (12) Sie sind aber vor allem als Versuch zu deuten, politische Claims abzustecken, Machtansprüche zu lancieren, und Definitionshoheit in politischen Debatten zu erringen: Die Welt wird in Wir und Die geschieden - ein typisches Verhaltensmuster von Gemeinschaften. Der technisch und ökonomisch definierten digitalen Spaltung wird eine weitere nun ideologisch fundierte Kluft hinzugefügt; Gräben werden nicht zugeschüttet, sondern neue ausgehoben.

Gesellschaften existieren auch ohne Internet; dieses jedoch benötigt Gesellschaften als Umfeld der eigenen Existenz, die unter anderem auf einklagbaren Verträgen zwischen Personen, Unternehmen und staatlichen Institutionen beruht. Das Netz kann als Werkzeug und Medium des (globalen) Vergesellschaftungsprozesses hilfreich sein, aber es ist weder dieser Prozess selbst, noch sein wichtigstes Ergebnis.

Karsten Weber forscht und lehrt in Berlin, Opole (Polen), Cottbus und Frankfurt (Oder) u.a. zu Internetökonomie und Informationsethik.


Anmerkungen:

(1) http://www.internetworldstats.com/stats.htm am 25.08.2009.

(2) Vgl. Weber, K. (2002): Technikregime und (Gegen-)Information - Warum es nicht ausreicht, die »richtige« Architektur zu haben. In: Weber, K.; Nagenborg, M.; Spinner, H. F. (Hg.): Wissensarten, Wissensordnung, Wissensregime. Beiträge zum Karlsruher Ansatz der integrierten Wissensforschung. Opladen: Leske+Budrich, S. 99-115, hier S. 112.

(3) http://www.initiatived21.de/category/nonliner-atlas am 25.08.2009.

(4) Zillien, N. (2006): Digitale Ungleichheit. Neue Technologien und alte Ungleichheiten in der Informations- und Wissensgesellschaft. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

(5) Vgl. Palfrey, J.; Gasser, U. (2008): Born Digital: Understanding the First Generation of Digital Natives. New York: Basic Books.

(6) Hauben, M.; Hauben, R. (1997): Netizens. On the History and Impact of Usenet and the Internet. Los Alamitos/CA: IEEE Computer Society Press.

(7) Vgl. Günther, J. (2007): Digital Natives & Digital Immigrants. Innsbruck: Studienverlag.

(8) Vgl. bspw. Stichweh, R. (2005): Setzt die »Weltgesellschaft« auf die »Weltkommunikation«? In: Jäckel, M.; Haase, F. (Hg.): In media res: Herausforderung Informationsgesellschaft. München: kopaed, S. 171-186 oder die Beiträge in Jäckel, M.; Mai, M. (2005, Hg.): Online-Vergesellschaftung? Mediensoziologische Perspektiven auf neue Kommunikationstechnologien. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

(9) Bspw. Varian, H.; Shapiro, C. (2007): Die Ökonomie der Softwaremärkte. In: Lutterbeck, B.; Bärwolff, M.; Gehring, R. A. (Hg.): Open Source Jahrbuch 2007. Berlin: Lehmanns Media, S. 125-130 oder Perens, B. (2007): Open Source - ein aufstrebendes ökonomisches Modell. In: Lutterbeck, B.; Bärwolff, M.; Gehring, R. A. (Hg.): Open Source Jahrbuch 2007. Berlin: Lehmanns Media, S. 131-164.

(10) Z. B. John Perry Barlows 1996 veröffentlichte »Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace«, siehe
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/1/1028/1.html am 11.09.2009.

(11) http://laptop.org am 11.09.2009.

(12) http://www.internet-manifest.de/ am 11.09.2009.


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Inhaltsverzeichnis iz3w Nr. 315 - November / Dezember 2009


THEMENSCHWERPUNKT:
Digitale Welten - SoftWares und das Internet

Über 1,2 Milliarden Menschen weltweit und über die Hälfte der EU-BürgerInnen nutzen inzwischen das Internet. Die IT-Kommunikation wird in gelegentlich aber immer noch in überirdischen Metaphern beschrieben: "Nur gut, dass man das Internet nicht hören kann, denn allein das chinesische Netzgeschnatter wäre wohl laut genug, um das gesamte Universum zum Einsturz zu bringen", schreibt Christian Y. Schmidt in seinem neuen China-Buch "Bliefe von dlüben". Die Volksrepublik steht mit über 300 Millionen registrierten InternetnutzerInnen weltweit an erster Stelle derer, die spielen, chatten, posten und bloggen, "was die Tasten hergeben".

Wenn vom Süden und dem Internet die Rede ist, muss man auch über die "digitale Kluft" sprechen. Da schon heute in absoluten Zahlen rund 60 Prozent der InternetnutzerInnen im Süden leben, ist eine weitere entscheidende Frage zur digitalen Welt, wie die digitale Kommunikation im Süden genutzt wird. Und gerade in autoritären Regimes spielt das Internet eine wichtige Rolle für dissidente Sichtweisen: Freiheitsbestrebungen, die im politischen Raum scheitern, lassen sich im Netz kaum unterdrücken.

Themen im Schwerpunkt:
Im Netz von Clans - Global verteilte Gemeinschaften statt globaler Gesellschaft + Internet-Vernetzung für Weltverbesserer + to be bangalored... - Internationale Arbeitsteilung in der Softwareindustrie + Copy light - Freie Software und globale Emanzipation + Agender, Bigender, Genderqueer - Feministische Auseinandersetzungen um das Internet + "Das Internet wird überbewertet" - Interview mit John Bwakali über Indymedia Kenya + "Schluss mit dem Kulturpessimismus" - Interview mit Geert Lovink über die neuen Kommunikationsmittel

Weitere Themen im Heft:

Politik und Ökonomie:
Mexiko: Arbeitskampf Contra Continental + Erfolgreiche Skandalisierung - Das NoBorder-Camp auf der griechischen Insel Lesbos + Migration: Ohne Sprachzertifikat kein Ehegattennachzug + Menschenrechte: Erfahrungen mit Kinderrechten in Guatemala und Indien + Chile: Geschichtspolitik um den 11. September + Drogenpolitik: Die ekuadorianische Regierung zwischen Repression und Liberalisierung

Kultur und Debatte:
Film: Der Regisseur Barry Barclay und das indigene Kino aus Neuseeland + Vergangenheitspolitik: Der Berliner Streit um die Ausstellung "Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg" + Nationalsozialismus: Interview mit Raffael Scheck über sein neues Buch "Hitlers amerikanische Opfer"



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INHALTSÜBERSICHT

Hefteditorial: Schlimmer geht's immer!


Politik und Ökonomie

Arbeitskämpfe: Contra Continental
Ein mexikanischer Arbeitskampf fordert deutsche Gewerkschaften heraus Interview mit Lars Stubbe

NoBorder: Erfolgreiche Skandalisierung
Das NoBorder-Camp auf der griechischen Insel Lesbos
von Miriam Edding

Migration: »Ihr wollt uns nicht«
Ohne Sprachzertifikat kein Ehegattennachzug
von Katja Giersemehl

Menschenrechte: Die Ohnmacht des Rechts
Erfahrungen mit Kinderrechten in Guatemala und Indien
von Manfred Liebel

Chile: Erinnern, um zu vergessen
Geschichtspolitik um den 11. September in Chile
von Sebastian Sternthal

Drogenpolitik: »Legt euch nicht mit Ekuador an!«
Die Drogenpolitik der Regierung Correa zwischen Repression und Liberalisierung
von Linda Helfrich


Schwerpunkt: Digitale Welten

Editorial

Im Netz von Clans
Global verteilte Gemeinschaften statt globaler Gesellschaft
von Karsten Weber

Internet-Vernetzung für Weltverbesserer
von Sascha Klemz

to be bangalored - or not to be
Internationale Arbeitsteilung in der Softwareindustrie
von Vaba Mustkass und Winfried Rust

Copy light
Freie Software und globale Emanzipation
von Stefan Meretz

Agender - Bigender - Genderqueer
Feministische Auseinandersetzungen um das Internet
von Tanja Carstensen

»Das Internet wird überbewertet«
Interview mit John Bwakali über Indymedia Kenya

»Schluss mit dem Kulturpessimismus!«
Interview mit Geert Lovink über die neuen Kommunikationsmittel


Kultur und Debatte

Film: Der Wegbereiter
Barry Barclay und das indigene Kino aus Neuseeland
von Ulrike Mattern

Vergangenheitspolitik: Erinnerung als Politikum Der Berliner Streit um die Ausstellung »Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg«

Nationalsozialismus: »Sie wurden einfach erschossen«
Interview mit Raffael Scheck über sein Buch »Hitlers afrikanische Opfer«

Rezensionen, Tagungen & Kurz belichtet


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Quelle:
iz3w Nr. 315 - November / Dezember 2009, S. 20-23
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veröffentlicht im Schattenblick zum 11. Februar 2010