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KULTUR/7630: Sprache, Kunst und Medium - 19.02.2018 (SB)


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Schrottsammler wird mit Silbernem Bären nicht glücklich

Vor fünf Jahren war der Bosnier Nazif Mujic hierzulande für kurze Zeit eine Berühmtheit. Dem Laiendarsteller wurde damals bei der Berlinale der Silberne Bär als bestem Schauspieler in dem halbdokumentarischen Film "Aus dem Leben eines Schrottsammlers" verliehen. Sein "Entdecker", der bosnische Regisseur Danis Tanocis, hatte den damals 43jährigen Roma praktisch bei der Arbeit beobachtet und eine Episode aus dessen Leben nachspielen lassen, die das Berliner Publikum anrührte.

Zur Preisverleihung war Mujic noch erschienen, doch in seine Heimat zurückgekehrt, geriet er in große Schwierigkeiten, weil die Dorfbewohner davon ausgingen, daß er nicht nur berühmt, sondern automatisch auch reich sein müßte. So wurde ihm das Revier, in dem er Schrott gesammelt und damit die Frau und drei Kinder ernährt hatte, streitig gemacht.

Die Familie versuchte daraufhin, in Berlin Fuß zu fassen. Doch Silberner Bär hin oder her, die Behörden sahen keinen Grund für ein Asyl in Deutschland, und die Filmleute kamen zwar für eine Rechtsanwältin auf, aber das war es auch. Die Familie Mujic ging nach Bosnien zurück, wo sie als Roma in bitterer Armut lebten.

Angeblich wollte der inzwischen 48jährige und schwer an Diabetes erkrankte Mann die diesjährige Berlinale nutzen, um vielleicht doch noch übersiedeln zu dürfen. Um die Familie durchzubringen, hatte er inzwischen auch seine Filmtrophäe für 4000 Euro verkauft.

Doch nun wurde bekannt, daß Mujic vor ein paar Tagen gestorben ist. Genaueres wurde nicht bekannt.

19. Februar 2018


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