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KULTUR/7993: Sprache, Kunst und Medium - 23.02.2019 (SB)


VOM TAGE


Prozeß um Rodin-Skulpturen in zweiter Instanz

In Paris hat ein Prozeß um angeblich gefälschte Skulpturen des französischen Künstlers Auguste Rodin (1840-1917) begonnen. Vor dem Berufungsgericht müssen sich Vertreter der inzwischen aufgelösten italienischen Gesellschaft Gruppo Mondiale verantworten, die solche berühmten Skulpturen wie "Der Denker", "Der Kuß" oder "Die Hand Gottes" als von Rodin geschaffene Originale verkauft hatte.

2001 hatte das Pariser Musée Rodin gegen die vier Mitglieder der in Italien ansässigen Gruppe Anzeige erstattet. Ihnen wurde vorgeworfen, Hunderte Kopien bekannter Rodin-Werke an Museen und Sammlungen in aller Welt verkauft zu haben.

Das erste Verfahren verlor das Museum allerdings, weil die Richter zu der Überzeugung kamen, daß es sich bei den Gußformen um Originale des Bildhauers handelte, nur waren die Abgüsse nicht von Rodin hergestellt worden. Das Museum ging in die Berufung.

Insgesamt sollen die mutmaßlichen Fälscher bis zu 1700 Reproduktionen angefertigt haben. Damit hätten sie zirka 60 Mio. Euro erwirtschaftet.

1916 hatte Rodin seine Werke und seinen Nachlaß dem französischen Staat vermacht. Daraus ging das Pariser Museum hervor. Es fehlten allerdings die Original-Gußformen. Diese behielt Rodins Gießerei, verkaufte sie aber später. Daraus hergestellte Reproduktionen wurden von der Gruppo Mondiale als Originale verkauft.

23. Februar 2019


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