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KULTUR/8048: Sprache, Kunst und Medium - 19.04.2019 (SB)


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Späte Einigung über Rückkehr des documenta-Obelisken

Am Rand der Kasseler Innenstadt wurde der umstrittene documenta-Obelisk des nigerianisch-amerikanischen Bildhauers Olu Oguibe wieder aufgebaut. Mit einem Autokran fügten Arbeiter am Donnerstag die letzten Teile der 16,2 Meter hohen Säule auf der Treppenstraße zusammen und damit rund 200 Meter vom zentralen Königsplatz entfernt, wo das Kunstwerk vor zwei Jahren während der documenta 14 gestanden hatte.

Da das Thema Flucht zunächst vortrefflich in die Zeit paßte, hatte sich die Stadt für den Ankauf des viereckigen Denkmals mit dem Bibelspruch "Ich war ein Fremdling und ihr habt mich beherbergt", der je Seite auf Deutsch, Englisch, Arabisch und Türkisch geschrieben steht, entschieden. Vereinbart war ein Kaufpreis von 600.000 Euro, der wie üblich aus Spenden aufgebracht werden sollte. Aber die Bürger waren wohl doch nicht mehr so begeistert, jedenfalls kamen nur 126.000 Euro zusammen. Doch daran störte sich Oguibe nicht wirklich. Zum Eklat war es gekommen, weil er standhaft einen Umzug des Obelisken ablehnte.

Nach monatelangem Streit um diesen Punkt hatte die Stadt dann vor dem Tag der deutschen Einheit die Säule in einer Nacht-und-Nebel-Aktion abbauen und einlagern lassen.

Danach war kaum noch etwas über den Stand der Dinge zu erfahren, bis es jetzt laut hr3 Hessenschau doch noch zu einer überraschenden Einigung mit dem Künstler kam.

19. April 2019


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