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PRESSE/924: Kirchen verabschieden Verhaltenscodex für die Mission - Späte Erkenntnis (DMW)


Der Mittlere Weg - Nr. 3, September - Dezember 2011
Zeitschrift des Buddhistischen Bundes Hannover e.V.

Späte Erkenntnis
Der Ökumenische Rat der Kirchen und des Vatikans haben einen Verhaltenscodex zur Mission verabschiedet

Von Michael Schmidt


Die aggressiven Missionsversuche in buddhistischen und auch in islamischen Ländern durch christliche Sekten sind schon lange ein Ärgernis in den betroffenen Ländern. So sind immer wieder Klagen über unseriöse Praktiken zu hören. Besonders nach Katastrophen werden mit materiellen Anreizen Menschen zu Übertritten überredet. Eltern werden kostenloser Schulunterricht, Hilfe bei Hausbauten oder einfach nur Geld angeboten. Besonders perfide werden Kinder mit Süßigkeiten gelockt, in denen kleine Jesusbilder versteckt sind mit Einladungen zu Gottesdiensten. Auch werden die vorhandenen Religionen diffamiert, z.B. "der Buddha hat seine Familie im Stich gelassen" usw.

Viele dieser missionierenden Sekten sind mit viel Geld ausgestattet und stammen aus den USA. Natürlich werden von diesen Gruppen auch sinnvolle Projekte, wie Waisenhäuser usw. finanziert, aber auch hier ist oft die Mission der zentrale Antrieb.

In letzter Zeit sind die Klagen immer deutlicher geworden, so dass die "Amtskirchen" sich gezwungen sahen Stellung zu beziehen. Sie fürchten quasi um ihren guten Ruf.

Nun hat der Ökumenische Rat der Kirchen und des Vatikans in Genf Empfehlungen für einen Verhaltenscodex für die Mission verabschiedet. Zwar wird die Mission als biblischer Auftrag weiterhin für unabdingbar gehalten, aber für den Zweck werden nicht mehr alle Mittel geheiligt.

("Mission gehört zutiefst zum Wesen der Kirche. Darum ist es für jeden Christen und jede Christin unverzichtbar, Gottes Wort zu verkünden und seinen/ihren Glauben in der Welt zu bezeugen...")

Folgend nun einige weitere Zitate aus dem Codex.

Zitat 1: "Wenn Christen/innen bei der Ausübung ihrer Mission zu unangemessenen Methoden wie Täuschung und Zwangsmitteln greifen, verraten sie das Evangelium und können anderen Leid zufügen. Über solche Verirrungen muss Buße getan werden und sie erinnern uns daran, dass wir fortlaufend auf Gottes Gnade angewiesen sind (vgl. Römer 3,23).

Zitat 2: Die Ausnutzung von Armut und Not hat im christlichen Dienst keinen Platz. Christen/innen sollten es in ihrem Dienst ablehnen und darauf verzichten, Menschen durch materielle Anreize und Belohnungen gewinnen zu wollen.

Zitat 3: Christen/innen sind aufgerufen, in ihrem Zeugnis alle Formen von Gewalt und Machtmissbrauch abzulehnen, auch deren psychologische und soziale Formen. Sie lehnen auch Gewalt, ungerechte Diskriminierung oder Unterdrückung durch religiöse oder säkulare Autoritäten ab. Dazu gehören auch die Entweihung oder Zerstörung von Gottesdienstgebäuden und heiligen Symbolen oder Texten.

Zitat 4: Christen/innen müssen aufrichtig und respektvoll reden; sie müssen zuhören, um den Glauben und die Glaubenspraxis anderer kennen zu lernen und zu verstehen, und sie werden dazu ermutigt, das anzuerkennen und wertzuschätzen, was darin gut und wahr ist. Alle Anmerkungen oder kritischen Anfragen sollten in einem Geist des gegenseitigen Respekts erfolgen. Dabei muss sichergestellt werden, dass kein falsches Zeugnis über andere Religionen abgelegt wird."

Es ist zu hoffen, dass sich das Verhalten der Eiferer in Sachen Mission sich ändert. Ich habe da meine Zweifel.

Um eine Resistenz gegen unlautere Missionsversuche zu erlangen, ist die Kenntnis und die Praxis der eigenen Religion von äußerster Wichtigkeit, denn nur so kann man mit Überzeugung Abwerbungsversuche begegnen, und den interreligiösen Dialog auf Augenhöhe führen.


Quelle:
http://www oikoumene.org/de/nachrichten/news-management/a/ger/article/1634/christen-erreichen-breite.html


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Quelle:
Der Mittlere Weg - majjhima-patipada
43. Jahrgang, September - Dezember 2011/2555, Nr. 3, Seite 22
Herausgeber: Buddhistischer Bund Hannover e.V.
Drostestr. 8, 30161 Hannover,
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E-mail: info@buddha-hannover.de
Internet: www.buddha-hannover.de

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veröffentlicht im Schattenblick zum 25. August 2011