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JAGD/111: Jagd auf Zugvögel (Der Falke)


Der Falke - Journal für Vogelbeobachter 3/2008

Standpunkte

Jagd auf Zugvögel


Seit Jahrzehnten ist Tier-, Vogel- und Naturschutzverbänden in Europa die Zugvogeljagd rund um das Mittelmeer ein schmerzhafter Dorn im Auge. Hierbei geht es zum einen um das Leiden und den Tod von Vogelindividuen, aber auch um die Durchsetzung und Verteidigung der EU Vogelschutzrichtlinie. Hauptkonfliktpunkt ist derzeit die Frühjahrsjagd auf Turteltaube und Wachtel auf der Mittelmeerinsel Malta und der illegale Abschuss von geschützten Vogelarten in diesem Land, das 2004 der Europäischen Union beigetreten ist. Vielerorts wird die EU für ihre Gesetzeswerke und Regeln angegriffen und kritisiert. Und doch liegt genau in der hervorragenden Naturschutzgesetzgebung der EU die Hoffnung, dass das alljährliche Massaker an Vögeln beispielsweise auf Malta endlich aufhört.

Konstantin Kreiser ist als EU Policy Manager im Büro von BirdLife International in Brüssel unter anderem für Jagd auf Zugvögel und die EU Vogelschutzrichtlinie zuständig. Wir haben uns mit ihm über Zugvögel und Vogelschutzrichtlinien unterhalten und gefragt, warum BirdLife mit europäischen Jägern eine Vereinbarung unterschrieben hat.


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- INTERVIEW MIT KONSTANTIN KREISER -

DER FALKE: Die Jagd auf Zugvögel, insbesondere in Mittelmeerländern, ist seit Jahrzehnten ein Dauerbrenner für viele Tier-, Vogel- und Naturschutzverbände in Europa. Während einige Verbände die Jagd auf Vögel grundsätzlich ablehnen, hat sich BirdLife International auf eine andere Position festgelegt. Wie genau sieht die Position von BirdLife International zur Jagd, insbesondere zur Zugvogeljagd aus?

KONSTANTIN KREISER: BirdLife ist ein Zusammenschluss von Naturschutzverbänden, der Jagd nicht grundsätzlich ablehnt. Unser Ziel die Artenvielfalt zu erhalten und gesunde Populationen zu bewahren beziehungsweise wieder herzustellen, bildet für uns die Messlatte für unsere Positionen zur Vogeljagd. Das bedeutet zum Beispiel, dass wir strikt gegen die Jagd auf Zugvögel im Frühling eintreten.

Die Bestimmungen der EU Vogelschutzrichtlinie bilden unserer Meinung nach einen praktikablen und vor allem sehr wirksamen Minimalstandard hierfür. Nach vielen konfliktreichen Jahren hat unser Dialog mit der europäischen Jägerschaft (FACE) im Jahr 2004 dazu geführt, dass die Richtlinie nun auch von den bei FACE organisierten Jagdverbänden unterstützt wird. Dieser Konsens, ein großer Fortschritt für den Naturschutz, wäre unmöglich gewesen, hätten wir eine strikte Anti-Jagd-Haltung eingenommen.

DER FALKE: Was genau ist die Vogelschutzrichtlinie?

KONSTANTIN KREISER: Die Vogelschutzrichtlinie bildet zusammen mit der sogenannten Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Richtlinie das Fundament des Naturschutzes in Europa. Sie stellt alle wild lebenden Vogelarten in der EU unter gesetzlichen, einklagbaren Schutz. Für die besonders zu schützenden Arten im Anhang I müssen Schutzgebiete ausgewiesen werden, die Teil des einzig-artigen Natura 2000 Netzwerkes werden (genauer geregelt in der FFH Richtlinie). Anhang II der Vogelschutzrichtlinie listet diejenigen Arten auf, die in allen oder manchen EU Mitgliedstaaten gejagt werden dürfen.

Mit diesen beiden Richtlinien besitzt die EU ein weltweit wohl einzigartiges Naturschutzkonzept, das den Prinzipien der nachhaltigen Entwicklung folgt - menschliche Nutzung ist in den meisten Natura 2000 Gebieten möglich, solange die Schutzziele nicht beeinträchtigt werden. Natura 2000 erstreckt sich nunmehr auf fast ein Fünftel der Fläche der EU, insgesamt ein Gebiet so groß wie Deutschland.

DER FALKE: Gibt es irgendwelche Belege dafür, dass die mittlerweile fast 30-jährige Vogelschutzrichtlinie der Europäischen Union erfolgreich ist?

KONSTANTIN KREISER: Die Umsetzung des Natura 2000 Netzwerks war und ist extremen Verzögerungen unterworfen, unter anderem aufgrund des Unwillens vieler nationaler und regionaler Regierungen, einschließlich der Deutschen. Erst jetzt nähern wir uns einer vollständigen Gebietskulisse zumindest an Land, und für die wenigsten Gebiete gibt es Managementpläne und eine gesicherte Finanzierung. Dennoch kann man bereits einige Erfolge nennen:

Das renommierte Wissenschaftsmagazin Science veröffentlichte im vergangen Jahr eine Studie, nach der die von der Vogelschutzrichtlinie besonders geschützten Arten des Anhang I sich innerhalb der EU signifikant besser entwickeln als außerhalb und auch besser als die nicht im Anhang I gelisteten Arten. Es gibt bisher nicht viele wissenschaftliche Beweise für die Wirksamkeit einer EU Richtlinie, daher hat diese Studie einige Aufmerksamkeit erregt.

Dank konsequenter Durchsetzung der Vogelschutz- und FFH Richtlinien konnte im vergangenen Jahr das einzigartige Rospuda-Tal im Nordosten Polens vor der Zerstörung gerettet werden. Ohne das oft geschmähte "Brüssel" würden dort jetzt bereits die Bagger wüten.

Ende Januar dieses Jahres wurde Malta, aufgrund einer eingereichten Beschwerde und intensiver politischer Arbeit von BirdLife, vor den obersten Gerichtshof der EU gebracht, weil es wiederholt gegen das Frühlingsjagdverbot der Vogelschutzrichtlinie verstoßen hat. Alles spricht dafür, dass es 2008 keine Frühlingsjagd in Malta mehr geben wird. Ohne die Richtlinie läge es allein in der Hand der nationalen Regierungen die Jagd in Malta (und im Rest des Mittelmeerraums) zu regulieren. Die Erfahrung lehrt, dass dies i. d. R. zu sehr viel niedrigeren Schutzstandards führen würde.

Diese Beispiele zeigen den unschätzbaren Wert dieser Naturschutzrichtlinien, die einen Quantensprung für den Naturschutz in Europa gebracht haben. Gleichzeitig kann die Vogelschutzrichtlinie aber nur wirklich wirken, wenn der Naturschutz auch in andere Politikfelder integriert und nicht z. B. von einer unsäglichen Agrarpolitik konterkariert wird, wie es leider immer noch der Fall ist.

DER FALKE: Insgesamt stehen 82 Vogelarten im Anhang II der EU Vogelschutzrichtlinie. Dies bedeutet also, dass - unter bestimmten Umständen - diese Arten gejagt werden dürfen. Die längste Liste jagdbarer Vogelarten findet man mit 61 Arten in Frankreich, während z. B. in Luxemburg und Slowenien nur Fasane, Stockenten und Rabenvögel geschossen werden dürfen. Welchen Sinn machen nationale Regelungen, die dazu führen, dass in einigen Ländern der EU viel Geld für den Schutz beispielsweise von Goldregenpfeifer, Kiebitz oder Großem Brachvogel ausgegeben wird, dieselben Arten aber zum Beispiel in Frankreich und Irland zum Abschuss freigegeben sind?

KONSTANTIN KREISER: Die Vogelschutzrichtlinie, wie alles in der EU ein europäischer Kompromiss, bietet nur einen Mindeststandard für die Mitgliedstaaten bezüglich der Einschränkung der Jagd. Viele Länder haben strengere Vorschriften und erlauben nur die Jagd sehr weniger Arten, obwohl ihnen "Brüssel" mehr zugestehen würde. Die daraus entstehenden nationalen Unterschiede spiegeln unter anderem die unterschiedliche gesellschaftliche Akzeptanz der Jagd und die Stärke der Jagdlobby wider. Trotzdem denken wir, dass wir es mit einem guten Mindeststandard zu tun haben, der in vielen Ländern große Fortschritte gebracht hat, man denke nur an Malta.

Dies wird derzeit durch die Entwicklung europäischer Artenschutzpläne, sogenannter "species management plans" versucht, die alle potenziellen Faktoren für den Bestandsrückgang, einschließlich der Jagd, untersuchen und entsprechende Gegenmaßnahmen empfehlen. Im Fall der Uferschnepfe lehnt aber zum Beispiel Frankreich das im Plan empfohlene Jagdmoratorium ab, was wir scharf kritisieren. Eine derartige Haltung führt dazu, dass der "Kompromiss des gegenwärtigen Anhang II" von vielen immer mehr infrage gestellt wird. Wir prüfen derzeit, welche rechtlichen Möglichkeiten es gäbe Frankreich, zum Einlenken zu zwingen - denn schließlich läuft dieses Verhalten dem übergeordneten Ziel der Vogelschutzrichtlinie zuwider, alle europäischen Vögel zu schützen.

DER FALKE: Der Brutbestand beispielsweise der Feldlerche ist seit 1970 in Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden um über die Hälfte zurückgegangen. Auch Kiebitz, Bekassine, Turteltaube sowie Spieß- und Knäkente verzeichnen in diesem Zeitraum einen negativen Bestandstrend. Und dennoch sind all diese Arten im Anhang II der Vogelschutzrichtlinie aufgeführt und dürfen daher geschossen werden. Ist es nicht an der Zeit, diese Arten von Anhang II zu streichen?

KONSTANTIN KREISER: Auf den ersten Blick erscheint in der Tat nahe liegend, gewisse Arten aus Anhang II zu streichen, wenn diese einen ungünstigen Erhaltungszustand aufweisen. Zumindest kurz- und mittelfristig sprechen jedoch einige Gründe dagegen jetzt eine Diskussion um Annhang II zu beginnen.

In den meisten Fällen trägt die Jagd nur zu einem sehr geringen Teil zu den Bestandsrückgängen bei - in der Regel ist Lebensraumschwund ein viel größeres Problem. Wir meinen, wir sollten unsere knappen Ressourcen als Naturschutzverband eher auf die Lösung dieser Probleme konzentrieren, als uns in eine Kampagne über die Arten des Anhangs II zu stürzen. Eine derartige Auseinandersetzung wäre langwierig, würde viele Kräfte binden, die wir woanders dringend brauchen, hätte einen offenen Ausgang und würde die erzielte grundsätzliche Unterstützung der meisten Jagdverbände für die Vogelschutzrichtlinie riskieren. Die Frage ist, ob dem Naturschutz und den Populationen dadurch viel geholfen wäre.

Gleichzeitig setzen wir uns natürlich allerorten für eine strikte Umsetzung der Vogelschutzrichtlinie ein. Nennen möchte ich nur unsere Erfolge gegen Leimrutenjagd in Spanien, oder Frühlingsjagd in Finnland und Zypern. BirdLife unterstützt zudem intensiv die Entwicklung der bereits genannten "species management plans" für prinzipiell jagdbare Arten mit ungünstigem Erhaltungszustand und fordert deren strikte Umsetzung, auch wenn dies zusätzliche Einschränkungen der Jagd bedeutet. Sollten sich bestimmte EU-Staaten, wissenschaftlich erwiesenen Zusammenhängen zum Trotz, weigern die Jagd, wo nötig, zusätzlich einzuschränken, werden wir uns lautstark zu Wort melden und die nötigen rechtlichen Mittel ergreifen. Zudem fordern wir die Europäische Kommission, Regierungen und Jagdverbände auf, das Instrument der Artenschutzpläne effektiver einzusetzen und ernster zu nehmen, nicht zuletzt um einer künftigen, kräftezehrenden Debatte um Anhang II vorzubeugen.

DER FALKE: Um den Erhaltungszustand von Vogelbeständen und den Einfluss der Jagd auf diese beurteilen zu können sind zuverlässige Informationen über Bestandsgrößen und Abschüsse aus dem gesamten Jahreslebensraum erforderlich. Ist die Verfügbarkeit derartiger Informationen bei unseren heimischen Vogelarten gewährleistet?

KONSTANTIN KREISER: Bezüglich der Populationsgrößen und -entwicklungen sowie des Erhaltungszustands der Arten legt BirdLife regelmäßig weltweit anerkannte Daten vor. BirdLife ist zudem die Rote-Liste-Autorität der Weltnaturschutzorganisation IUCN.

Was Abschüsse angeht, drängen wir den europäischen Jagdverband schnell Fortschritte bei einem europaweiten Monitoringsystem für Jagdstrecken zu machen, das von unabhängigen Stellen mitkontrolliert wird. Einige Schritte sind schon getan, aber die Situation in den einzelnen Mitgliedsstaaten ist sehr unterschiedlich.

DER FALKE: Die EU Vogelschutzrichtlinie legt unter anderem auch fest, welche Methoden bei der Jagd auf Vögel zum Einsatz kommen dürfen und welche verboten sind. Erlaubt die EU Vogelschutzrichtlinie den Einsatz von Leimruten, Netzen und Steinquetschen zum Fang von Vögeln?

KONSTANTIN KREISER: Artikel 8 und Anhang IV der Richtlinie geben dazu Auskunft: Untersagt sind unter anderem "sämtliche Mittel, Einrichtungen oder Methoden, mit denen Vögel in Mengen oder wahllos gefangen oder getötet werden". Speziell verboten sind zum Beispiel Schlingen, Leimruten, Haken, Tonbandgeräte, künstliche Lichtquellen, Netze und Fangfallen. In der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs wurde immer wieder darauf hingewiesen, dass nicht-selektives Fangen von Vögeln untersagt ist. Hierzu gab es zum Beispiel ein wegweisendes Urteil gegen Spanien im Jahr 2004, weil in der Region Valencia die Jagd mit Leimruten erlaubt worden war. Kürzlich scheiterte ein ähnliches Vorhaben Kataloniens bereits im Ansatz, nach starken Protesten von BirdLife unter Berufung auf das geltende europäische Recht.

DER FALKE: Ein heftig diskutiertes Thema ist die Frühjahrsjagd. Lässt die EU Vogelschutzrichtlinie die Jagd auf Zugvögel im Frühjahr zu und warum wird überhaupt ein Unterschied gemacht, zwischen Jagd im Frühjahr und im Herbst?

KONSTANTIN KREISER: Die Vogelschutzrichtlinie verbietet die Jagd im Frühjahr, während des Rückzugs in die Brutgebiete und während der Brut- und Aufzuchtszeit. Es gibt nur sehr wenige, streng definierte Ausnahmetatbestände. Der Grund für dieses Verbot liegt darin, dass die Jagd vor und während der Reproduktionszeit sehr viel stärkere Auswirkungen auf den Bestand hat als im Herbst, wenn viele Jungvögel unterwegs sind, die ohnehin eine hohe Sterblichkeitsrate aufweisen.

DER FALKE: BirdLife International hat im Jahr 2004 zur Verwunderung einiger Tier- und Vogelschutzverbände eine Vereinbarung mit FACE, einem Zusammenschluss europäischer Jagdverbände, unterzeichnet. Worin besteht die Vereinbarung und warum hat BirdLife International diese unterschrieben?

KONSTANTIN KREISER: Nach vielen Jahren erbitterter Auseinandersetzungen mit den Jägern um die Vogelschutzrichtlinie, bei denen es BirdLife unter Aufwendung großer Anstrengungen gelang eine Abschwächung der Richtlinie zu verhindern, entstand im Jahr 2001 auf Initiative der Europäischen Kommission die "Initiative zur Nachhaltigen Jagd". Im Rahmen dieses Dialogprozesses kam es 2004 zum Abschluss einer bilateralen Vereinbarung zwischen BirdLife und FACE. Ich habe dies und die Diskussion zur Jagd in Europa vor einiger Zeit in einem Beitrag in den Berichten zum Vogelschutz (42/2005) dargestellt. Die wesentlichen Punkte der Vereinbarung sind ein klares Bekenntnis der Jägerschaft zur Vogelschutzrichtlinie und Natura 2000. Außerdem wird zum Beispiel das Verbot von Bleischrot in Feuchtgebieten gefordert, die bessere Bekämpfung der illegalen Jagd und bessere Jagdstreckenstatistiken.

Angesichts des dramatischen Artenschwunds und der Vielzahl von Problemen in unseren Ökosystemen betonen wir immer wieder, dass Jäger in vielen Dingen die gleichen Ziele haben wie die Naturschutzverbände, oder zumindest haben müssten! Dies ist in vielen Ländern, und bei vielen Teilaspekten, noch ein weiter Weg, aber wir denken nur ein Dialogprozess kann hier Fortschritte bringen.

DER FALKE: Hält BirdLife International den Umgang mit der Jagd für ein zentrales Naturschutzthema?

KONSTANTIN KREISER: Natürlich bleibt die Jagd ein wichtiges Thema für BirdLife, und unser Einsatz für eine gute Umsetzung der Vogelschutzrichtlinie zeigt in vielen Ländern Wirkung. Wir erkennen aber auch gewaltige Herausforderungen in anderen Bereichen, auf die wir mehr und mehr Kapazitäten verwenden müssen:

Wir und unsere Partner arbeiten mit großem Einsatz an Umsetzung, Management und Finanzierung von Natura 2000. Das "Important Bird Area" Konzept von BirdLife hat den Gebietsschutz gerade in den neuen EU Mitgliedsstaaten wesentlich vorangebracht. Ein anderes wichtiges Thema ist die Reform der EU Agrarpolitik - sie birgt große Chancen, aber auch Risiken für den Naturschutz. Eine nachhaltige Klima- und Energiepolitik steht ebenfalls ganz oben auf unserer Prioritätenliste.

Herr Kreiser, wir danken für das Gespräch.

- ENDE DES INTERVIEWS MIT KONSTANTIN KREISER -


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EU Vogelschutzrichtlinie

Die Richtlinie 79/409/EWG des Rates vom 2. April 1979 über die Erhaltung der wild lebenden Vogelarten (EU-Vogelschutzrichtlinie) trat 1979 in Kraft und ist jetzt bindendes Gesetz für alle EU Länder. Die Richtlinie schreibt besondere Schutzmaßnahmen für eine Anzahl bedrohter und in der Richtlinie aufgelisteter Vogelarten vor. In Artikel 3 der Richtlinie wird die Einrichtung von Schutzgebieten als eine wesentliche Maßnahme zur Erhaltung, Wiederherstellung bzw. Neuschaffung der Lebensräume wild lebender Vogelarten gefordert. Diese Europäischen Vogelschutzgebiete bilden zusammen mit den besonderen Schutzgebieten nach der FFH Richtlinie das EU-weite ökologische Schutzgebietsnetz Natura 2000, das nicht nur dem Erhalt der Vögel, sondern auch dem Schutz europäisch bedeutsamer Lebensräume sowie weiterer seltener Tier- und Pflanzenarten in der Europäischen Union dient.

Weitere Informationen:
www.bmu.de/naturschutz_biologische_vielfalt/natur_ohne_grenzen/
eu-vogelschutzrichtlinie/doc/6016.php
www.birdlife.org/action/awareness/eu_birds_directive/what.html
http://ec.europa.eu/environment/nature/conservation/wildbirds/
hunting/index_en.htm


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Die EU Vogelschutzrichtlinie ist erfolgreich!

Wissenschaftler haben bewiesen, dass die EU Vogelschutzrichtlinie tatsächlich erfolgreich ist. Das renommierte Wissenschaftsjournal Science veröffentlichte vor Kurzem die Ergebnisse einer von BirdLife International in Auftrag gegebenen Analyse, in der belegt wird, dass sich die Vogelschutzrichtlinie signifikant positiv auf den Schutz zahlreicher der am stärksten gefährdeten Vogelarten Europas ausgewirkt hat. Entscheidend hierfür war unter anderem die Einrichtung von sogenannten "Besonderen Vogelschutzgebieten (Special Protection Areas)", die Teil des Natura 2000 Netzwerkes sind.
(Donald et al. 2007)


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Wie beeinflusst die Jagd Vogelbestände im Frühjahr und Herbst?

Vogelpopulationen schwanken natürlicherweise im Jahresverlauf: Die Anzahl der Individuen befindet sich auf einem Tiefpunkt unmittelbar vor und auf einem Höhepunkt unmittelbar nach der Brutperiode. Im Herbst sind die Bestände von Wachteln und Turteltauben ebenso wie die anderer Vogelarten nahe ihrem Saisonhöhepunkt. Die Entnahme von Vögeln durch Jagd hat zu diesem Zeitpunkt den geringsten Effekt auf den zukünftigen Brutbestand. Es besteht die Chance, dass viele der Jagdverluste im Herbst durch eine verbesserte Überlebensrate der verbleibenden Vögel im Winter ausgeglichen werden. Dies ist insbesondere der Fall bei Populationen, die durch das Nahrungsangebot im Winter reguliert werden. Werden Vögel durch Jagd im Frühjahr dem Bestand entnommen, nachdem die Wintersterblichkeit bereits abgeschlossen ist, wird dies zusätzlich zur Mortalität beitragen, wodurch die folgenden Brutbestände verringert werden. Hierdurch wiederum werden die Herbstbestände reduziert und damit auch die für die Jagd verfügbare Anzahl zu dieser Jahreszeit. Falls Vögel im Herbst und im Frühjahr gejagt werden, kann dies langfristig zu einem Rückgang der Populationsgrößen führen.
(Ian Newton, Centre for Ecology and Hydrology, Monks Wood, UK)


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Quelle:
Der Falke - Journal für Vogelbeobachter 3/2008
55. Jahrgang, März 2008, S. 104-108
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veröffentlicht im Schattenblick zum 7. April 2008